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Der heilige Benno: Bischof von Meißen, Patron Münchens

Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Wer durch München geht, begegnet ihm immer wieder: auf Brunnen, in Kirchen, als Namensgeber von Straßen und Vereinen. Dabei hat der heilige Benno die Stadt zu Lebzeiten nie gesehen. Seine Geschichte führt von Hildesheim über Meißen nach Bayern – und erzählt viel über Glaube und Politik im Zeitalter der Reformation.

Das Bennoportal an der Nordseite der Münchner Frauenkirche
Das Bennoportal an der Nordseite der Münchner Frauenkirche · Foto: Bayreuth2009, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Ein Bischof zwischen Kaiser und Papst

Benno wurde um das Jahr 1010 in Hildesheim geboren und dort erzogen. 1066 wurde er Bischof von Meißen – der zehnte in der Reihe der Bischöfe dieses Bistums, das damals an der Ostgrenze des Reiches lag und die Mission unter den slawischen Sorben tragen sollte. Er blieb es vierzig Jahre lang, bis zu seinem Tod am 16. Juni 1106.

Seine Amtszeit fiel mitten in den Investiturstreit, den großen Machtkampf zwischen Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII. um die Frage, wer Bischöfe einsetzen darf. Benno stand zeitweise auf der Seite des Papstes und der aufständischen Sachsen, wurde vom Kaiser gefangen gesetzt und später abgesetzt. Nach Jahren des Hin und Her kehrte er in sein Bistum zurück. Die Quellen über sein Leben sind spärlich; vieles, was über ihn erzählt wird, stammt aus späteren Lebensbeschreibungen.

Die Legende vom Fisch und dem Schlüssel

Die bekannteste Geschichte über Benno spielt genau in diesem Konflikt. Als der Kaiser gebannt war, soll Benno den Meißner Dom verschlossen haben, damit dort kein Gottesdienst für den Gebannten stattfinden konnte. Den Schlüssel warf er in die Elbe. Als er Jahre später zurückkehrte, brachte man ihm einen Fisch, und in dessen Bauch fand sich der Domschlüssel.

Deshalb wird Benno fast immer mit einem Fisch und einem Schlüssel dargestellt. Das Motiv wurde zum Wappen des Bistums Meißen und macht ihn auch zum Patron der Fischer. Historisch belegen lässt sich die Episode nicht – sie gehört zu einer Gruppe verwandter Legenden, die von verschiedenen Heiligen erzählt werden.

Eine späte und umstrittene Heiligsprechung

Mehr als vierhundert Jahre nach seinem Tod wurde Benno am 31. Mai 1523 von Papst Hadrian VI. heiliggesprochen. Der Zeitpunkt war brisant: Die Reformation hatte gerade begonnen, und Martin Luther spottete in einer eigenen Schrift heftig über den „neuen Abgott“ in Meißen. Als Sachsen wenige Jahre später evangelisch wurde, kam es zu Übergriffen auf Bennos Grab. Die Gebeine wurden in Sicherheit gebracht, damit sie nicht zerstört würden.

Wie Benno nach München kam

Bayern blieb katholisch, und die Wittelsbacher Herzöge verstanden sich als Schutzmacht des alten Glaubens. Herzog Albrecht V. erhielt die Reliquien 1576; 1580 wurden sie feierlich in der Münchner Frauenkirche beigesetzt. Die Verehrung des Heiligen, der vor den Protestanten hatte fliehen müssen, passte perfekt zur Politik der Gegenreformation. Benno wurde zum Stadtpatron Münchens und zum Landespatron Altbayerns.

Bis heute ruhen seine Reliquien im Münchner Dom. Ein Teil davon kehrte 2019 in das Bistum Dresden-Meißen zurück – ein ökumenisch und kirchenpolitisch bemerkenswerter Schritt, der die alte Verbindung zwischen Sachsen und Bayern sichtbar machte.

Benno im Münchner Stadtbild

Wer aufmerksam durch München geht, findet Benno an vielen Stellen. Das Bennoportal an der Nordseite der Frauenkirche erinnert an ihn, ebenso die neuromanische Kirche St. Benno in der Maxvorstadt. Und in der Altstadt kann man zwischen Marienplatz und Frauenkirche einen Rundgang zu den Stadtheiligen machen, der auch bei der Jesuitenkirche St. Michael vorbeiführt – dort thront über dem Portal der Erzengel Michael.

Den Gedenktag begehen

Am 16. Juni feiert das Erzbistum München und Freising das Fest seines Stadtpatrons mit einem Gottesdienst im Dom. Der Termin liegt oft in unmittelbarer Nähe zu Fronleichnam, sodass der Juni in München besonders festlich ist. Wer in dieser Zeit die Stadt besucht, kann Kirchengeschichte, Stadtgeschichte und die Frage, wie Heiligenverehrung und Politik zusammenhingen, an einem einzigen Ort erleben.

Zum Weiterlesen: Benno von Meißen in der Wikipedia · Frauenkirche München in der Wikipedia

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