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Fronleichnam: Herkunft, Prozession und Feiertag

Aktualisiert am · 4 Min. Lesezeit

Fronleichnam ist das Fest, an dem die Kirche buchstäblich auf die Straße geht. Mit Monstranz, Blumenteppichen und Blasmusik ziehen Gemeinden durch ihre Orte. Wer nicht katholisch aufgewachsen ist, fragt sich oft: Was wird da eigentlich gefeiert – und was bedeutet dieser Name?

Schematische Strahlenmonstranz, wie sie bei der Fronleichnamsprozession getragen wird
Schema einer Strahlenmonstranz: In ihrer Mitte wird die geweihte Hostie gezeigt und durch die Straßen getragen.

Was der Name bedeutet

„Fronleichnam“ klingt nach Leiche, hat aber mit dem Tod nichts zu tun. Das Wort stammt aus dem Mittelhochdeutschen: vrôn bedeutet „den Herrn betreffend“ – wie im Wort Frondienst –, und lîcham heißt schlicht „Leib“. Fronleichnam ist also das Fest des Leibes des Herrn. Der offizielle Name lautet heute „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, lateinisch Corpus Christi.

Gefeiert wird die bleibende Gegenwart Christi im eucharistischen Brot. Was am Gründonnerstag im Schatten der Passion steht, bekommt an Fronleichnam einen eigenen, fröhlichen Festtag.

Wie das Fest entstanden ist

Die Anregung kam von einer Frau. Juliana von Lüttich, eine Augustinerchorfrau aus dem heutigen Belgien, berichtete zu Beginn des 13. Jahrhunderts von einer Vision: Sie sah den Mond, dem ein kleines Stück fehlte. Sie deutete das so, dass im Kirchenjahr ein Fest zu Ehren der Eucharistie fehle. In Lüttich wurde es 1246 erstmals gefeiert. Papst Urban IV., der zuvor in Lüttich gewirkt hatte, schrieb es 1264 für die ganze Kirche vor. Die Texte der Festmesse und des Stundengebets werden traditionell Thomas von Aquin zugeschrieben; der Hymnus „Pange lingua“ mit den Schlussstrophen „Tantum ergo“ wird bis heute gesungen.

Richtig verbreitet hat sich das Fest im 14. Jahrhundert. Nach der Reformation wurde es für die katholische Seite zu einem sichtbaren Bekenntnis, was ihm im konfessionell gemischten Deutschland lange einen streitbaren Beigeschmack gab. Heute nehmen vielerorts auch evangelische Christen an den Prozessionen teil.

Der Termin

Fronleichnam hängt an Ostern. Das Fest liegt am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag, also 60 Tage nach dem Ostersonntag. Der Donnerstag erinnert an den Gründonnerstag, den Tag des Letzten Abendmahls. Je nach Osterdatum fällt Fronleichnam damit zwischen Ende Mai und Ende Juni – wie sich das Datum berechnet, steht im Beitrag über Ostern.

Die Prozession

Herzstück des Tages ist die Prozession nach der Festmesse. Der Priester trägt die Monstranz – ein kostbares Schaugefäß, in dessen Mitte hinter Glas die geweihte Hostie zu sehen ist. Über ihm wird oft ein Tragehimmel, der „Baldachin“, gehalten. Vorneweg gehen Kreuz und Fahnen, dahinter Erstkommunionkinder, Vereine, Musik und die Gemeinde.

Unterwegs hält die Prozession an meist vier geschmückten Altären. An jedem Altar werden ein Abschnitt aus einem der vier Evangelien gelesen, Fürbitten gesprochen und der sakramentale Segen erteilt – oft in alle vier Himmelsrichtungen, über den Ort, die Felder und die Menschen. Dass es vier Stationen sind, verbindet also die Evangelien mit der ganzen Welt ringsum.

Blumenteppiche und Birkenzweige

Vielerorts legen Nachbarschaften in der Nacht vor dem Fest kunstvolle Blumenteppiche auf die Straßen, über die dann die Prozession zieht. Besonders bekannt sind die Teppiche in Orten der Eifel, in Hessen und in Oberbayern. Häuser werden mit Birkenzweigen, Fahnen und Heiligenbildern geschmückt; in Fenstern stehen Kerzen.

Eine Besonderheit sind Prozessionen auf dem Wasser. Auf dem Staffelsee bei Seehausen, auf dem Hallstätter See und dem Traunsee in Österreich fahren Gemeinden mit geschmückten Booten hinaus. In Köln zieht die „Mülheimer Gottestracht“ seit Jahrhunderten mit Schiffen über den Rhein.

Warum man mit dem Brot durch die Straßen zieht

Für viele Menschen ist gerade das der fremdeste Teil des Festes. Die Idee dahinter: Was im Kirchenraum gefeiert wird, gehört nicht nur hinter Kirchenmauern. Christus wird dorthin getragen, wo die Menschen leben und arbeiten – auf Marktplätze, an Bauernhöfe, vor Schulen und Rathäuser. Die Prozession ist so ein öffentliches Gebet für den ganzen Ort.

In der Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist Fronleichnam gleichzeitig ein Fest der Gemeinschaft geworden. Die Eucharistie wird nicht nur angeschaut, sondern als gemeinsames Mahl verstanden. Wie diese Neuausrichtung zustande kam, erklärt der Beitrag über die Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium.

Fronleichnam in München

In München gehört die große Stadtprozession durch die Altstadt zu den traditionsreichsten Terminen des Jahres. Der Erzbischof trägt die Monstranz vom Dom über den Marienplatz; Trachtenvereine, Zünfte und Studentenverbindungen gehen mit. Wer die Frauenkirche an diesem Tag besucht, kommt auch an den Reliquien eines anderen Stadtpatrons vorbei – des heiligen Benno, dessen Gedenktag nur wenige Tage später folgt.

Zum Weiterlesen: Fronleichnam in der Wikipedia · Juliana von Lüttich in der Wikipedia

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