Heiliger Michael, verteidige uns im Streite: Der Erzengel
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„Wer ist wie Gott?“ – das bedeutet der hebräische Name Michael. Der Erzengel mit Schwert und Waage gehört zu den bekanntesten Gestalten der christlichen Kunst. Seit dem 19. Jahrhundert ruft ihn ein eigenes Gebet um Hilfe im Kampf gegen das Böse an.

Michael in der Bibel
Anders als die Heiligen, deren Leben sich in Urkunden und Chroniken spiegelt, ist Michael ein Engel. Alles, was man über ihn weiß, steht in wenigen Bibelstellen. Im Buch Daniel erscheint er als „einer der ersten Fürsten“ und als Schutzengel des Volkes Israel. Der Judasbrief nennt ihn ausdrücklich „Erzengel“ und erzählt von einem Streit mit dem Teufel um den Leichnam des Mose. Am bekanntesten ist die Szene in der Offenbarung des Johannes: Michael und seine Engel kämpfen gegen den Drachen und werfen ihn aus dem Himmel.
Diese Stelle hat die Bildwelt geprägt. Michael wird als junger, geflügelter Krieger dargestellt, der mit Schwert oder Lanze einen Drachen oder eine teuflische Gestalt zu Boden zwingt. Das Gemälde von Guido Reni oben ist eines der berühmtesten Beispiele.
Der Seelenwäger
Ein zweites Motiv stammt nicht aus der Bibel, sondern aus der Volksfrömmigkeit: Michael als Seelenwäger beim Jüngsten Gericht. Mit einer Waage prüft er die Taten der Verstorbenen. Deshalb ist er Patron der Sterbenden, und viele Friedhofskapellen tragen seinen Namen. In mittelalterlichen Weltgerichtsdarstellungen über Kirchenportalen steht er oft genau in der Mitte, zwischen Himmel und Hölle.
Ein Fest für drei Erzengel
Der Gedenktag Michaels ist seit alters der 29. September. Das Datum geht auf die Weihe einer Michaelskirche an der Via Salaria bei Rom in der Spätantike zurück. Seit der Kalenderreform von 1969 feiert die katholische Kirche an diesem Tag alle drei in der Bibel mit Namen genannten Erzengel: Michael, Gabriel, der Maria die Geburt Jesu ankündigt, und Raphael, der im Buch Tobit den jungen Tobias begleitet.
Früher war „Michaeli“ auch ein wichtiger Termin im Wirtschaftsjahr. Er markierte das Ende der Erntezeit; Zinsen und Pachten wurden fällig, Knechte und Mägde wechselten die Stelle, und vielerorts fanden Märkte statt. In manchen Gegenden begann mit Michaeli die Zeit, in der bei Kerzenlicht gearbeitet wurde.
Patron der Deutschen
Schon im frühen Mittelalter wurde Michael zum Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches, und er galt lange als Patron der Deutschen. Die Redewendung vom „deutschen Michel“ hat damit allerdings wenig Ehrenvolles gemein: Sie verspottet seit dem 17. Jahrhundert den biederen, schlafmützigen Deutschen mit Zipfelmütze.
Berühmte Heiligtümer des Erzengels liegen in ganz Europa. Auf dem Monte Gargano in Apulien soll er im 5. Jahrhundert erschienen sein; die Höhle von Monte Sant'Angelo ist bis heute ein Wallfahrtsort. Der Mont-Saint-Michel an der Küste der Normandie gehört zu den meistbesuchten Orten Frankreichs. In Deutschland ist die Münchner Jesuitenkirche St. Michael mit ihrer großen Bronzefigur des Drachenkämpfers an der Fassade eines der markantesten Beispiele – nur wenige Schritte von der Frauenkirche entfernt, in der der heilige Benno ruht.
Was die Figur heute sagt
Ein Engel, der mit dem Schwert gegen einen Drachen kämpft, wirkt auf viele Menschen fremd. Hinter dem Bild steht aber eine Erfahrung, die jeder kennt: dass es im Leben Kräfte gibt, die zerstören, entzweien und lähmen, und dass man ihnen nicht allein gewachsen ist. Michaels Name selbst ist die Antwort. „Wer ist wie Gott?“ – niemand. Kein Drache, keine Angst und kein Unrecht hat das letzte Wort.
Das Michaelsgebet lässt sich deshalb gut in den eigenen Alltag nehmen, etwa als kurzes Morgen- oder Abendgebet. Wer mehr über persönliche Gebetsformen erfahren will, liest weiter im Beitrag Das Beten mal anders gesehen.
Zum Weiterlesen: Michael (Erzengel) in der Wikipedia · Michaelsgebet in der Wikipedia