Elisabeth von Thüringen: Fürstin an der Seite der Armen
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Sie wurde nur 24 Jahre alt und ist dennoch eine der bekanntesten Frauen des deutschen Mittelalters. Elisabeth von Thüringen tauschte ein Leben am Fürstenhof gegen die Pflege von Kranken und Armen – eine Entscheidung, die ihre Zeitgenossen irritierte und bis heute beeindruckt.

Eine Kindheit als politisches Pfand
Elisabeth kam 1207 als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. zur Welt, vermutlich in Pressburg, dem heutigen Bratislava, oder in Sárospatak. Schon als Vierjährige wurde sie mit dem Sohn des Landgrafen von Thüringen verlobt und an den Hof auf der Wartburg bei Eisenach gebracht. Solche Verbindungen waren im Hochadel üblich; sie sicherten Bündnisse zwischen Herrscherhäusern.
Anders als viele solcher Ehen wurde ihre Verbindung mit Ludwig IV., die 1221 geschlossen wurde, nach allem, was die Quellen berichten, eine Liebesheirat. Das Paar bekam drei Kinder. Ludwig unterstützte die ungewöhnliche Frömmigkeit seiner Frau, auch wenn sie am Hof Anstoß erregte.
Radikale Nächstenliebe am Fürstenhof
Elisabeth hatte früh von Franziskus von Assisi und seiner Bewegung gehört, die bewusst arm leben und den Armen dienen wollte. Seit etwa 1223 wirkten Franziskaner in Thüringen, und ihre Ideen fielen bei der jungen Landgräfin auf fruchtbaren Boden. Sie aß nichts, wovon sie wusste, dass es den Bauern abgepresst worden war, verteilte Vorräte an Hungernde und ließ unterhalb der Wartburg ein Spital errichten, in dem sie selbst Kranke pflegte. Während der Hungersnot von 1226 öffnete sie die Kornkammern des Landes.
Für den Adel war das ein Skandal. Eine Fürstin, die sich die Hände schmutzig machte und das Familienvermögen verschenkte, stellte die ständische Ordnung in Frage.
Witwe mit zwanzig
1227 brach Ludwig zum Kreuzzug auf. Schon in Süditalien erkrankte er und starb am 12. September in Otranto. Elisabeth war zwanzig Jahre alt und mit dem dritten Kind schwanger. Nach seinem Tod verlor sie am Hof ihren Rückhalt; die Umstände ihres Weggangs von der Wartburg werden in den Quellen unterschiedlich geschildert. Klar ist, dass sie schließlich ein Witwengut in Marburg an der Lahn erhielt.
Das Hospital in Marburg
In Marburg ließ Elisabeth 1228 ein Hospital bauen und weihte es dem gerade heiliggesprochenen Franziskus. Dort pflegte sie mit einigen Gefährtinnen Kranke, Sterbende und Aussätzige, trug ein einfaches graues Gewand und lebte von eigener Arbeit. Ihr Beichtvater Konrad von Marburg, ein strenger Kreuzzugsprediger, verlangte ihr harte Bußübungen ab, die heute befremdlich wirken. Elisabeth starb in der Nacht zum 17. November 1231, völlig erschöpft, mit gerade 24 Jahren.
Heiligsprechung und Verehrung
Schon kurz nach ihrem Tod berichteten Pilger von Heilungen an ihrem Grab. Bereits an Pfingsten 1235 sprach Papst Gregor IX. sie heilig – ungewöhnlich schnell für die damalige Zeit. Im selben Jahr begann der Deutsche Orden über ihrem Grab mit dem Bau der Elisabethkirche, einer der frühesten rein gotischen Kirchen in Deutschland. Sie wurde 1283 geweiht und war im Mittelalter eines der großen Pilgerziele des Reiches.
Ihr Gedenktag ist der 19. November, der Tag ihrer Beisetzung. Auch die evangelische Kirche erinnert an sie; die Elisabethkirche ist seit der Reformation ein evangelisches Gotteshaus.
Was bleibt
Elisabeth ist die Patronin der Caritas, der Krankenpflege und vieler Sozialstationen. Unzählige Krankenhäuser, Kindergärten und Pflegeheime tragen ihren Namen. Ihr Leben zeigt, dass Heiligkeit nicht aus Weltflucht entstehen muss, sondern aus einem Blick für die Not, die direkt vor der Tür liegt. Darin ähnelt sie dem heiligen Nikolaus, dessen Gedenktag in den Advent fällt. Wer ihrem Beispiel folgen will, findet in der Fastenzeit mit ihrem Dreiklang aus Fasten, Beten und Teilen einen guten Anlass.
Zum Weiterlesen: Elisabeth von Thüringen in der Wikipedia · Elisabethkirche Marburg in der Wikipedia