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Kirchenjahr & Liturgie

Klatschen in der Kirche: Gehört Applaus in die Liturgie?

Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Der Chor hat wunderbar gesungen, das Brautpaar strahlt, der Pfarrer wird verabschiedet – und plötzlich klatscht die ganze Kirche. Für die einen ist das ein Zeichen lebendiger Gemeinde, für die anderen ein Stilbruch. Eine Einordnung.

Grundriss eines Kirchenschiffs mit Altarraum und Bankreihen – der Blick aller Mitfeiernden geht nach vorn Altar
Im Kirchenraum richten sich alle gemeinsam nach vorn aus – auf den Altar, nicht auf eine Bühne.

Kein Verbot, aber viele Bedenken

Vorweg: Ein ausdrückliches Klatschverbot gibt es im katholischen Kirchenrecht nicht, und auch das Messbuch regelt die Frage nicht. Ob und wann Beifall aufbrandet, entscheidet sich deshalb in der Praxis vor Ort. Trotzdem ist das Thema umstritten, und das hat mit dem Verständnis dessen zu tun, was im Gottesdienst eigentlich geschieht.

Gottesdienst ist keine Aufführung

Im Konzertsaal gilt der Applaus den Musikern. Er ist Dank und Anerkennung für eine Leistung, die das Publikum genossen hat. In der Liturgie aber gibt es – so die klassische Sicht – kein Publikum. Alle Mitfeiernden richten sich gemeinsam auf Gott aus: Priester, Chor, Lektorinnen, Ministranten und Gemeinde. Die Musik im Gottesdienst ist deshalb nicht Darbietung, sondern Gebet. Wer singt, singt nicht für die Gemeinde, sondern mit ihr und für Gott.

Aus dieser Perspektive verschiebt Applaus den Fokus. Er macht aus Beteiligten Zuschauer und aus Betenden Künstler. Gerade dort, wo Chöre besonders gut sind, kann das die Stimmung verändern: Die Messe wird zur Bühne.

Die Position von Joseph Ratzinger

Besonders deutlich hat sich der spätere Papst Benedikt XVI. geäußert. In seinem Buch „Der Geist der Liturgie“ aus dem Jahr 2000 schreibt er sinngemäß: Wo in der Liturgie Beifall für menschliches Tun aufkommt, sei das ein Zeichen, dass man ihr Wesen aus dem Blick verloren und sie durch religiös gefärbte Unterhaltung ersetzt habe. Solche Attraktivität halte nicht lange; im Wettbewerb mit Freizeitangeboten könne die Kirche so nicht bestehen.

Diese Kritik zielt weniger auf einzelne Klatscher als auf eine Haltung, bei der Gottesdienste vor allem unterhalten sollen. Sie knüpft an einen Gedanken des Konzils an, das die Liturgie als Mitte des kirchlichen Lebens beschreibt – mehr dazu im Beitrag über Sacrosanctum Concilium.

Wann Applaus passt – und wann nicht

Zwischen strengem Nein und lockerem Ja hat sich in vielen Gemeinden eine Faustregel eingespielt:

  • Während der Messfeier – nach Lesungen, Predigt, Kommunion oder einem Chorstück – wird besser nicht geklatscht. Hier ist Stille oft die angemessenere Antwort.
  • Nach dem Schlusssegen ist der Gottesdienst beendet. Ein Orgelnachspiel oder ein Konzertstück danach darf man ohne schlechtes Gewissen beklatschen.
  • Bei Verabschiedungen und Jubiläen ist Beifall für Menschen üblich und wird fast überall als herzlich empfunden. Am besten gehören solche Momente an den Schluss, nach dem Segen.
  • Bei Trauungen und Taufen ist die Grenze fließend. Viele Paare wünschen sich Beifall nach dem Ja-Wort; hier hilft ein kurzes Gespräch mit dem Pfarrer vorab.
  • Rhythmisches Mitklatschen bei Liedern gehört vor allem in Jugend- und Familiengottesdienste und ist dort Teil des Singens, nicht Applaus.

Stille als Antwort

Wer nach einer ergreifenden Chormotette nicht klatscht, drückt damit keine Kritik aus. Oft ist es sogar das größere Kompliment: Die Musik hat so berührt, dass sie nachklingen darf. Die Liturgie kennt ausdrücklich Momente heiligen Schweigens – nach den Lesungen, nach der Predigt, nach der Kommunion. Diese Stille ist kein Loch im Programm, sondern Raum für das eigene Gebet.

Und wenn doch jemand klatscht?

Dann bricht niemandem ein Zacken aus der Krone. Liturgie lebt von Menschen, und Menschen reagieren spontan. Gute Kirchenmusikerinnen und Pfarrer lenken die Energie oft geschickt um: Die Orgel setzt sofort mit dem nächsten Lied ein, oder der Priester lädt zu einem Moment der Stille ein. Und wer seinem Chor wirklich danken will, tut das am besten nach dem Gottesdienst – mit einem Wort, einem Händedruck oder einer Einladung zum Kaffee.

Zum Weiterlesen: Liturgie in der Wikipedia · Der Geist der Liturgie in der Wikipedia

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