Fastenzeit: 40 Tage von Aschermittwoch bis Ostern
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Zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag liegen 46 Tage – und doch spricht man von 40 Tagen Fastenzeit. Die Rechnung geht auf, wenn man weiß, dass die Sonntage nicht mitzählen. Ein Überblick über Herkunft, Regeln und Möglichkeiten, diese Zeit heute zu gestalten.
Warum gerade 40 Tage?
Die Zahl 40 zieht sich durch die ganze Bibel. Vierzig Tage dauert die Sintflut, vierzig Jahre wandert Israel durch die Wüste, vierzig Tage fastet Mose auf dem Berg Sinai und der Prophet Elija auf dem Weg zum Horeb. Vor allem aber fastet Jesus nach seiner Taufe vierzig Tage in der Wüste, bevor er öffentlich auftritt. Die Kirche hat diese Zahl als Maß für eine Zeit der Vorbereitung und Prüfung übernommen.
Dass die Fastenzeit trotzdem schon am Aschermittwoch beginnt, liegt an einer einfachen Regel: Sonntage werden nicht mitgezählt. Jeder Sonntag erinnert an die Auferstehung und ist deshalb ein kleines Osterfest, an dem nicht gefastet wird. Zieht man die sechs Sonntage von den 46 Tagen ab, bleiben genau 40.
Aschermittwoch: der Auftakt
Am Aschermittwoch zeichnet der Priester den Gläubigen ein Kreuz aus Asche auf die Stirn oder streut ihnen Asche aufs Haupt. Die Asche wird traditionell aus den Palmzweigen des Vorjahres gewonnen. Dazu spricht er einen von zwei Sätzen: den Aufruf, umzukehren und an das Evangelium zu glauben, oder die Erinnerung, dass der Mensch Staub ist und zum Staub zurückkehrt. Beides zielt auf dasselbe: innehalten, die eigene Endlichkeit ernst nehmen und neu anfangen.
Mehr als Verzicht aufs Essen
Die Tradition nennt drei Säulen der Fastenzeit, die schon im Matthäusevangelium nebeneinanderstehen: Fasten, Beten und Almosengeben. Fasten ohne Gebet wird leicht zur Diät, Beten ohne tätige Nächstenliebe bleibt folgenlos. Deshalb sammeln die Hilfswerke gerade in diesen Wochen Spenden, und viele Gemeinden bieten zusätzliche Andachten, Kreuzwege oder Bußgottesdienste an.
Wer heute fastet, tut das oft auf eigene Weise: sieben Wochen ohne Alkohol, ohne Süßigkeiten, ohne Auto oder ohne ständiges Scrollen am Handy. Solche Vorsätze sind dann im Sinne der Tradition, wenn sie Raum schaffen – für Menschen, für Stille, für Gott. Eine bewährte Idee ist, die gewonnene Zeit ganz bewusst zu füllen, etwa mit einem kurzen Abendgebet oder einem Spaziergang ohne Kopfhörer.
Der Rhythmus der sechs Wochen
Die Fastenzeit hat eine eigene Dramaturgie. Am ersten Sonntag hört die Gemeinde von der Versuchung Jesu in der Wüste, am zweiten von seiner Verklärung auf dem Berg. Der vierte Fastensonntag, Laetare, ist ein Atempause-Sonntag: Wie am dritten Advent darf Rosa getragen werden, weil die Hälfte des Weges geschafft ist. Mit dem Palmsonntag beginnt die Heilige Woche, die über Gründonnerstag und Karfreitag in die Osternacht mündet.
Violett bleibt die Farbe dieser Wochen. In manchen Kirchen werden zusätzlich Kreuze und Bilder verhüllt, besonders ab dem fünften Fastensonntag. In Süddeutschland hängen vielerorts große Fastentücher vor dem Altar, die den Blick auf das Allerheiligste versperren – ein sichtbares Fasten der Augen.
Fasten und Körper
Wer ernsthaft fastet, merkt schnell, dass Körper und Seele zusammenhängen. Hunger macht empfindsamer, Verzicht schärft die Aufmerksamkeit. Viele Klöster bieten in der Fastenzeit Kurse an, die Heilfasten mit Gebet, Stille und Bewegung verbinden. Gesundheitliche Vorsicht gehört dazu: Wer Vorerkrankungen hat, sollte längeres Fasten vorher ärztlich abklären. Und wer nicht auf Nahrung verzichten kann oder soll, findet genug andere Formen – etwa ruhige Körperübungen, die beim Loslassen helfen, wie sie im Beitrag über Yin Yoga beschrieben sind.
Das Ziel: Ostern
Die Fastenzeit ist kein Selbstzweck. Sie läuft auf das höchste Fest des Kirchenjahres zu. Wer sechs Wochen lang bewusst auf etwas verzichtet hat, erlebt die Osternacht mit ihrem Licht, dem Halleluja und dem festlichen Mahl ganz anders. Wie das Datum des Festes berechnet wird und was in den drei österlichen Tagen gefeiert wird, erklärt der Beitrag über Ostern.
Zum Weiterlesen: Fastenzeit in der Wikipedia · Aschermittwoch in der Wikipedia