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Reihenfolge beim Adventskranz: Welche Kerze wann brennt

Aktualisiert am · 4 Min. Lesezeit

Vier Kerzen, vier Sonntage – und trotzdem stellt sich jedes Jahr die Frage, welche Kerze zuerst brennen soll. Eine verbindliche Regel gibt es nicht, wohl aber ein paar gute Gründe für die eine oder andere Reihenfolge.

Adventskranz mit drei violetten Kerzen und einer rosafarbenen Kerze
Adventskranz mit drei violetten Kerzen und einer rosafarbenen Kerze · Foto: PHILIP János, CC0, via Wikimedia Commons

Die kurze Antwort

Die meisten Familien und Gemeinden zünden die Kerzen nacheinander im Kreis an: am ersten Advent eine Kerze, am zweiten Advent diese und die benachbarte, und so weiter. Ob im Uhrzeigersinn oder dagegen, ist Geschmackssache. Wer so vorgeht, sieht am vierten Advent eine hübsche Treppe – die erste Kerze ist am weitesten heruntergebrannt, die letzte noch fast unberührt. Genau dieses Bild zeigt, was der Advent sein will: eine Zeit, in der das Licht Woche für Woche zunimmt.

Vier Adventskerzen: drei violette und eine rosafarbene für den dritten Adventssonntag Gaudete; die zuerst angezündete Kerze ist am weitesten heruntergebrannt 1. Advent2. Advent3. Advent4. Advent
Die übliche Reihenfolge: Nachbarkerzen nacheinander, die rosa Kerze am dritten Advent.

Gibt es eine „richtige“ Reihenfolge?

Kirchlich vorgeschrieben ist keine. Der Adventskranz ist kein liturgisches Gerät wie der Altar oder die Osterkerze, sondern ein Brauch, der aus dem Alltag in die Kirchen gewandert ist. Deshalb gibt es auch keine Rubrik im Messbuch, die das Anzünden regelt. Manche Gemeinden zünden gegen den Uhrzeigersinn an, weil sie darin die Bewegung der Zeit auf Weihnachten zu sehen. Andere entzünden bewusst gegenüberliegende Kerzen, damit der Kranz gleichmäßig abbrennt. Wieder andere richten sich einfach danach, welche Kerze vom Tisch aus am besten zu sehen ist.

Wichtiger als die Richtung ist die Farbe. Ist eine der Kerzen rosa, dann gehört sie zum dritten Advent – und bestimmt damit, wo man anfangen muss, damit sie an der Reihe ist, wenn der dritte Sonntag kommt.

Warum eine Kerze rosa ist

In der katholischen Tradition ist Violett die Farbe des Advents: Sie steht für Umkehr, Erwartung und Vorbereitung. Am dritten Adventssonntag aber ändert sich der Ton. Er heißt nach dem ersten Wort des lateinischen Eröffnungsverses Gaudete – „Freut euch“. Der Priester darf an diesem Tag ein rosafarbenes Messgewand tragen, als Zeichen, dass die Vorfreude die Buße überstrahlt und Weihnachten schon nahe ist. Die rosa Kerze auf dem Kranz greift genau das auf.

Ein Gegenstück dazu gibt es in der Fastenzeit: Der vierte Fastensonntag heißt Laetare, ebenfalls „Freue dich“, und kennt dieselbe Farbe. Mehr zu dieser Zeit steht im Beitrag über die Fastenzeit.

Woher der Adventskranz kommt

Erfunden hat ihn nach der Überlieferung der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern im Jahr 1839 in Hamburg. Im „Rauhen Haus“, einer Einrichtung für Kinder aus armen Verhältnissen, wollte er die Wartezeit auf Weihnachten sichtbar machen. Sein Kranz war ein großes Wagenrad mit 24 Kerzen: kleine rote für die Werktage, große weiße für die Sonntage. Jeden Tag kam ein Licht dazu – ein früher Adventskalender aus Kerzen.

Für den Hausgebrauch war das zu groß. So setzte sich im Lauf der Zeit die schlichte Form mit vier Kerzen durch, gebunden auf einen Ring aus Tannengrün. In katholischen Kirchen hing ein Adventskranz erstmals in den 1920er-Jahren; nach heutigem Wissensstand war das 1925 in Köln, wenige Jahre später folgte München. Heute ist der Kranz über die Konfessionsgrenzen hinweg einer der bekanntesten Bräuche der Vorweihnachtszeit.

Was Kranz und Grün bedeuten

Die Kreisform hat weder Anfang noch Ende und wird deshalb gern als Zeichen für Ewigkeit und für die Treue Gottes gedeutet. Das immergrüne Tannen- oder Buchsbaumgrün steht für Leben und Hoffnung mitten im Winter. Das Licht schließlich verweist auf Christus, den das Johannesevangelium „das Licht der Welt“ nennt. Mit jeder weiteren Kerze wird es heller – bis an Weihnachten der Christbaum das Licht übernimmt.

Segnung und kleine Hausliturgie

Viele Gemeinden segnen die Adventskränze am Vorabend oder am Morgen des ersten Adventssonntags. Wer mag, kann zu Hause beim Anzünden eine kurze Andacht halten: ein Lied wie „Macht hoch die Tür“ oder „Wir sagen euch an den lieben Advent“, eine Lesung aus dem Sonntagsevangelium, ein Vaterunser. Wer den Tag bewusst beschließen möchte, findet im Stundengebet passende Texte – die Vesper des Advents gehört zu den schönsten des ganzen Jahres.

Praktisches: sicher und nachhaltig

Brennende Kerzen am trockenen Grün sind die häufigste Ursache für Brände in der Adventszeit. Deshalb gilt: Kerzen nie unbeaufsichtigt brennen lassen, auf einen feuerfesten Untergrund achten und den Kranz spätestens nach Weihnachten entsorgen, wenn die Nadeln rieseln. Wer auf echte Flammen verzichten will, greift zu LED-Kerzen; wer es natürlich mag, bindet den Kranz selbst aus Zweigen aus dem Garten und verwendet Kerzen aus Bienenwachs oder Rapswachs.

Und der erste Brauch im Advent nach dem Kranz? Er folgt meist schon wenige Tage später – am 6. Dezember, dem Gedenktag des heiligen Nikolaus.

Zum Weiterlesen: Adventskranz in der Wikipedia · Advent in der Wikipedia

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