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Der heilige Nikolaus: Bischof, Legende und Brauch

Aktualisiert am · 4 Min. Lesezeit

Kaum ein Heiliger ist so bekannt wie Nikolaus – und über kaum einen weiß man historisch so wenig. Sicher ist: Er war im 4. Jahrhundert Bischof in Myra, im Süden der heutigen Türkei. Alles Weitere erzählen Legenden, die über Jahrhunderte gewachsen sind und bis heute unseren Advent prägen.

Ikone des heiligen Nikolaus aus dem Katharinenkloster auf dem Sinai, 13. Jahrhundert
Ikone des heiligen Nikolaus aus dem Katharinenkloster auf dem Sinai, 13. Jahrhundert · unbekannter Künstler, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Was man historisch weiß

Nikolaus lebte im 4. Jahrhundert und war Bischof von Myra in der kleinasiatischen Landschaft Lykien. Die Stadt heißt heute Demre und liegt an der türkischen Mittelmeerküste. Er dürfte die letzten Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian erlebt haben und die Zeit, in der das Christentum unter Konstantin zur geduldeten und dann geförderten Religion wurde. Sein Todestag, ein 6. Dezember, wird in der Mitte des 4. Jahrhunderts vermutet – ein genaues Jahr ist nicht belegt.

Schon früh verschmolz seine Überlieferung mit der eines anderen Nikolaus, eines Abtes und Bischofs aus Sion in Lykien, der im 6. Jahrhundert lebte. Viele Geschichten, die heute über den Bischof von Myra erzählt werden, stammen vermutlich von diesem zweiten Nikolaus oder sind später hinzugekommen. Dass er am Konzil von Nicäa 325 teilnahm, berichten erst spätere Quellen; die ältesten Teilnehmerlisten nennen ihn nicht.

Die bekanntesten Legenden

Die drei Jungfrauen

Die berühmteste Geschichte erzählt von einem verarmten Vater, der seine drei Töchter nicht verheiraten konnte, weil ihm das Geld für die Mitgift fehlte. Nikolaus warf in drei aufeinanderfolgenden Nächten heimlich je einen Beutel Gold durchs Fenster und rettete die jungen Frauen so vor einem Leben in Not. Aus dieser Legende stammen die drei goldenen Kugeln, mit denen der Heilige oft dargestellt wird – und letztlich auch der Brauch, heimlich Geschenke zu bringen.

Das Kornwunder

In einer Hungersnot soll Nikolaus Seeleute überredet haben, einen Teil ihrer Getreideladung für den Kaiser in Myra abzugeben. Als sie in Konstantinopel ankamen, fehlte trotzdem kein einziges Maß. Das Getreide in Myra reichte zwei Jahre lang und sogar noch für die Aussaat.

Die Seefahrer im Sturm

Eine weitere Legende berichtet von Seeleuten, die in schwerer See den Heiligen anriefen. Nikolaus erschien auf dem Schiff, packte mit an, und der Sturm legte sich. Deshalb ist er bis heute Patron der Seeleute und Fischer; viele Kirchen in Hafenstädten tragen seinen Namen.

Von Myra nach Bari

Im Jahr 1087 brachten Kaufleute aus dem süditalienischen Bari die Gebeine des Heiligen aus Myra in ihre Heimatstadt – eine Tat, die man heute als Reliquienraub bezeichnen würde. Für die Gebeine wurde in Bari die Basilika San Nicola errichtet. Sie ist bis heute ein Wallfahrtsort für katholische wie orthodoxe Christen; besonders aus Russland, wo Nikolaus einer der meistverehrten Heiligen ist, kommen viele Pilger. Kleinere Reliquien gelangten später auch nach Venedig und in viele andere Orte.

Wie der Nikolausbrauch entstand

Im Mittelalter wurde der Nikolaustag zum Kinderfest. In Klosterschulen wählten die Schüler am 6. Dezember einen „Kinderbischof“, der für einen Tag das Sagen hatte. Daraus entwickelte sich der Brauch, dass der Heilige die Kinder besucht, sie nach ihrem Verhalten fragt und beschenkt. Die Kinder stellen dafür am Vorabend Stiefel oder Schuhe vor die Tür, die am Morgen mit Nüssen, Äpfeln, Mandarinen und Süßigkeiten gefüllt sind.

In vielen Regionen wird Nikolaus von einem finsteren Begleiter flankiert, der je nach Gegend Knecht Ruprecht, Krampus oder Hans Muff heißt. Er verkörpert die strafende Seite und hat pädagogisch heute zu Recht ausgedient.

Nach der Reformation verlegten evangelische Regionen das Beschenken auf Weihnachten und machten das „Christkind“ zum Gabenbringer. In den Niederlanden blieb der Sinterklaas lebendig; mit niederländischen Auswanderern kam er nach Nordamerika, wo sich im 19. Jahrhundert daraus die Figur des Santa Claus entwickelte. Der Weihnachtsmann mit Rentierschlitten ist also ein ferner Nachfahre des Bischofs von Myra.

Den Tag heute feiern

Viele Familien und Gemeinden setzen bewusst auf den Bischof statt auf den Weihnachtsmann: mit Mitra und Stab, mit einer Geschichte aus dem Leben des Heiligen und ohne Drohkulisse. Die Botschaft des Tages passt gut in den Advent: Nikolaus gibt heimlich, ohne Dank zu erwarten, und sieht die Not der anderen. Ähnlich ist es bei der heiligen Elisabeth, deren Gedenktag nur zweieinhalb Wochen früher liegt.

Zum Weiterlesen: Nikolaus von Myra in der Wikipedia · Basilika San Nicola in der Wikipedia

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