Gott & WeltGlaube · Kirchenjahr · Stille
Gebet, Stille & Körper

Yoga-Arten im Überblick – und wie Christen damit umgehen

Aktualisiert am · 4 Min. Lesezeit

Yoga ist in Deutschland längst Alltag: in Fitnessstudios, Volkshochschulen, Kliniken und sogar in Gemeindehäusern. Doch Yoga ist nicht gleich Yoga. Die Stile unterscheiden sich stark – im Tempo, im Anspruch und darin, wie viel religiöse Tradition sie mitbringen. Ein Überblick, der auch die Frage nicht ausspart, wie Christen dazu stehen können.

Yogastile auf einer Achse von kraftvoll und fließend (Ashtanga, Vinyasa) über ausgewogen (Hatha, Iyengar) bis ruhig und passiv (Yin, Yoga Nidra) AshtangaVinyasaHathaIyengarYinYoga Nidra kraftvoll, fließend ruhig, gehalten
Die bekanntesten Yogastile zwischen kraftvoll-fließend und ruhig-gehalten eingeordnet.

Was Yoga ursprünglich ist

Das Wort Yoga stammt aus dem Sanskrit und wird meist von der Wurzel yuj abgeleitet: anschirren, verbinden, vereinen. In Indien bezeichnet es seit über zweitausend Jahren verschiedene Wege der geistigen Schulung. Ein zentraler Text ist das Yoga-Sutra des Patanjali, das Yoga als Zur-Ruhe-Kommen der Bewegungen des Geistes beschreibt und einen achtgliedrigen Pfad lehrt – von ethischen Regeln über Körperhaltungen und Atemübungen bis zur Versenkung.

Die Körperhaltungen, die Asanas, waren dabei ursprünglich nur ein Glied unter acht. Das Yoga, das heute in westlichen Kursräumen geübt wird, ist überwiegend eine moderne Form, die sich im 20. Jahrhundert entwickelt hat und Bewegung, Dehnung und Atem in den Vordergrund stellt.

Die wichtigsten Stile

Hatha Yoga

Hatha ist der Oberbegriff für das körperbetonte Yoga und zugleich der Name vieler klassischer Kurse. Man hält Haltungen eine Weile, verbindet sie mit bewusster Atmung und endet mit einer Tiefenentspannung. Für Einsteiger ist Hatha meist die beste Wahl.

Ashtanga und Vinyasa

Ashtanga Yoga, geprägt von K. Pattabhi Jois im südindischen Mysore, folgt festen Serien, die in hohem Tempo und synchron zum Atem geübt werden. Das ist anstrengend und schweißtreibend. Vinyasa ist die freiere Weiterentwicklung: fließende Übergänge, kreative Abfolgen, oft mit Musik. Beide Stile eignen sich für Menschen, die Kraft und Ausdauer suchen.

Iyengar Yoga

Der Inder B. K. S. Iyengar legte großen Wert auf die präzise Ausrichtung des Körpers und führte Hilfsmittel wie Blöcke, Gurte und Decken ein. Iyengar-Stunden sind genau, eher langsam und werden oft auch therapeutisch genutzt.

Yin Yoga

Im Yin Yoga werden passive Haltungen im Liegen und Sitzen mehrere Minuten gehalten. Der Stil ist ruhig, meditativ und zielt auf das Bindegewebe. Er ist so verbreitet, dass er einen eigenen Beitrag bekommt.

Kundalini Yoga

Kundalini verbindet dynamische Übungen mit Atemtechniken, Mantras und Meditation. Es ist der Stil mit dem ausgeprägtesten religiös-esoterischen Überbau; wer sich dafür interessiert, sollte sich über Hintergründe und Lehrer vorab informieren.

Yoga Nidra

Yoga Nidra, oft „yogischer Schlaf“ genannt, ist eine angeleitete Tiefenentspannung im Liegen. Körperlich anspruchslos, ist sie vor allem bei Stress und Schlafproblemen beliebt.

Kann man als Christ Yoga üben?

Die Frage ist ernst gemeint und wird unterschiedlich beantwortet. Die katholische Kirche hat Yoga weder verboten noch empfohlen. Das maßgebliche Dokument ist ein Schreiben der Glaubenskongregation von 1989 über christliche Meditation. Es erkennt an, dass Christen aus nichtchristlichen Traditionen Hilfen für Haltung, Atem und Sammlung übernehmen können, und verweist darauf, dass die christliche Tradition selbst die Einheit von Leib und Seele im Gebet kennt. Es warnt aber vor zwei Missverständnissen: dass angenehme körperliche Empfindungen mit geistlicher Erfahrung verwechselt werden, und dass eine Technik die Begegnung mit Gott ersetzen oder erzwingen könne.

Daraus lassen sich praktische Leitlinien ableiten:

  • Körperübung ist Körperübung. Dehnen, Kräftigen und bewusstes Atmen sind weltanschaulich neutral und können gut tun.
  • Religiöse Elemente bewusst prüfen. Mantras, Anrufungen hinduistischer Gottheiten oder Lehren über Wiedergeburt gehören zu einer anderen Religion. Man muss sie nicht mitsprechen, und eine gute Lehrkraft respektiert das.
  • Die eigene Ausrichtung klären. Wer im Yoga Ruhe findet, kann diese Ruhe bewusst in ein Gebet münden lassen – etwa in das Herzensgebet nach der Stunde.

Schon in der Mitte des 20. Jahrhunderts hat der französische Benediktiner Jean-Marie Déchanet versucht, Yogaübungen in ein christliches Gebetsleben einzubinden; sein Buch erschien auf Deutsch unter dem Titel „Christliches Yoga“. Heute bieten manche Bildungshäuser und Klöster Kurse an, die Körperarbeit und christliche Meditation verbinden.

Worauf man bei einem Kurs achten sollte

Unabhängig vom Stil gilt: Yoga soll nicht wehtun. Wer Vorerkrankungen hat, schwanger ist oder Gelenkprobleme kennt, spricht vorher mit Ärztin oder Arzt und sagt es der Lehrkraft. Eine seriöse Ausbildung der Lehrenden ist wichtiger als ein bekannter Name. Und wer mit Kindern üben möchte, findet Anregungen im Beitrag über Yoga für Kinder.

Zum Weiterlesen: Yoga in der Wikipedia · Hatha Yoga in der Wikipedia

Passt dazu