Yoga für Kinder: Spielerische Haltungen für Körper und Fantasie
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Kinder bewegen sich gern, aber zur Ruhe zu kommen fällt vielen schwer. Yoga kann beides verbinden: Es macht Spaß, fördert Beweglichkeit und Körpergefühl und lädt zugleich zu kleinen Momenten der Stille ein. Wichtig ist, dass es Kinderyoga bleibt – verspielt, ohne Leistungsdruck und mit viel Fantasie.
Warum Yoga Kindern guttun kann
Kinder erleben ihren Körper unmittelbar. Sie klettern, rennen, balancieren – und sitzen gleichzeitig immer mehr: in der Schule, im Auto, vor Bildschirmen. Kinderyoga greift die natürliche Bewegungsfreude auf und lenkt sie in eine Form, die Kraft, Gleichgewicht und Beweglichkeit schult. Mindestens ebenso wertvoll ist, dass Kinder dabei lernen, auf ihren Atem zu achten und nach Aktivität bewusst zur Ruhe zu kommen.
Pädagoginnen und Pädagogen berichten, dass Kinder nach kurzen Yoga-Einheiten oft konzentrierter und ausgeglichener sind. Solche Beobachtungen sollte man nicht überbewerten – Yoga ist kein Wundermittel gegen Unruhe oder Konzentrationsprobleme. Als eine von vielen Bewegungsformen ist es aber eine schöne Ergänzung zu Sport und freiem Spiel.
Haltungen mit Fantasie
Kinder lernen nicht über Anatomie, sondern über Bilder. Deshalb heißen die Übungen im Kinderyoga meist wie Tiere, Pflanzen oder Dinge aus ihrer Welt:
- Der Baum: auf einem Bein stehen, den anderen Fuß an Wade oder Knöchel stellen, die Arme wie Äste nach oben strecken. Wenn der Wind weht, darf der Baum schwanken.
- Die Katze: im Vierfüßlerstand den Rücken rund machen wie eine fauchende Katze und dann ins Hohlkreuz sinken lassen wie eine, die sich streckt.
- Der Schmetterling: im Sitzen die Fußsohlen aneinanderlegen, die Knie wie Flügel sanft auf und ab bewegen.
- Die Schlange: in Bauchlage den Oberkörper auf die Hände stützen und zischen.
- Der Berg: fest und aufrecht stehen, die Füße spüren den Boden, der Kopf reicht bis in die Wolken.
- Das schlafende Kind: im Fersensitz den Oberkörper auf die Oberschenkel legen und ausruhen.
Aus diesen Bausteinen lassen sich kleine Geschichten erzählen: Ein Kind wandert als Berg durch den Wald, begegnet einer Katze und einer Schlange, wird zum Baum im Wind und legt sich am Ende wie ein müdes Tier zum Schlafen hin.
Atmen wie ein Ballon
Atemübungen sind für Kinder oft das Spannendste. Man kann den Bauch wie einen Luftballon aufblasen und langsam wieder Luft herauslassen, eine imaginäre Kerze auspusten, ohne dass sie ausgeht, oder eine Feder mit dem Atem über den Tisch schweben lassen. Solche Spiele zeigen Kindern ganz nebenbei, dass sie ihren Atem und damit auch ihre Aufregung ein Stück weit selbst lenken können.
In Kita, Schule und Gemeinde
Viele Kitas und Grundschulen haben Yoga-Elemente in Bewegungsstunden aufgenommen, oft als ruhigen Gegenpol zum Toben. Auch in der kirchlichen Kinder- und Familienarbeit taucht Kinderyoga auf, etwa in Familiengottesdiensten zur Schöpfung oder bei Freizeiten. Hier bietet sich eine schöne Verbindung an: Die Tierhaltungen können dazu einladen, über die Schöpfung zu staunen, über die Vielfalt der Tiere und darüber, dass der eigene Körper ein Geschenk ist.
Wer Kinderyoga in einer Gruppe anbietet, sollte eine entsprechende Fortbildung haben. Religiöse Elemente anderer Traditionen – etwa Mantras oder Gesten, deren Bedeutung die Kinder nicht verstehen – gehören nicht in einen Kurs für Kinder, deren Eltern das nicht ausdrücklich wünschen. Mehr zu dieser Frage steht im Beitrag über Yoga-Arten und die christliche Sicht.
Ein Abendritual für die Familie
Besonders schön ist Yoga als Abschluss des Tages. Ein paar ruhige Haltungen auf dem Teppich, dann das schlafende Kind, zum Schluss eine Decke über die Schultern – und schon ist der Übergang ins Bett leichter. Viele Familien verbinden dieses Ritual mit einem kurzen Abendgebet: Was war heute schön? Wofür sind wir dankbar? Wen wollen wir Gott ans Herz legen? Anregungen für solche einfachen Formen finden sich im Beitrag Das Beten mal anders gesehen.
Wann Vorsicht geboten ist
Kinder sind in der Regel sehr beweglich; Überdehnung ist deshalb eher ein Risiko als Steifheit. Kopfstand, Schulterstand und andere Umkehrhaltungen gehören nicht in das Programm kleiner Kinder. Bei chronischen Erkrankungen, nach Verletzungen oder bei Unsicherheiten ist ein Gespräch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sinnvoll. Und das Wichtigste: Wenn ein Kind keine Lust hat, ist das in Ordnung. Yoga soll Freude machen – sonst ist es kein Kinderyoga.
Zum Weiterlesen: Yoga in der Wikipedia · Achtsamkeit in der Wikipedia