Abtreibung und Holocaust
Da in der Blogozese gerade Argumente Für und Gegen eines Vergleichs von Abtreibung und Holocaust diskutiert werden, versuche ich mich an einer kleinen Übersicht. Der Diskussion ging ein Artikel von Ghislieri sowie ein Tweet von Paul Oldenburg voraus.
- Über den Holocaust der Ungeborenen (Florianus)
- Abtreibung und Holocaust (Frank Mazny)
- Abtreibung und Holocaust I (David Ianni)
- Warum Abtreibung und Holocaust gar nicht zusammengeht. (Elsa)
- Holocaust vs. Babycaust (ultra montes)
- Abtreibung und Holocaust II (David Ianni)
Dass beide Verbrechen in ihrer Grausamkeit einzigartig sind, ist klar. Dass man diese Verbrechen nicht anhand von “Methoden” wie industriell betriebener Vergasung sowie Abtreiben vergleichen darf, ist klar. Dass man diese Menschenleben nicht anhand von “Motiven” wie Rassenwahn oder “Geldnot” “aufwiegen” kann, ist klar. Dass man Verbrechen allgemein nicht vergleichen kann, ist klar.
Was oftmals nicht klar ist, dass zur Verdeutlichung der grauenhaften Abtreibung auch einmal die Wörter Abtreibung und Shoa in einem Satz genannt werden müssen UND dürfen. Es darf NICHT sein, dass eines der beiden Verbrechen vergessen, verharmlost oder verdrängt wird. WIR müssen uns dafür einsetzen, FÜR die Zukunft und FÜR das Erinnern an die Ermordeten.
Dasselbe gilt natürlich auch für 09/11, Agent Orange, Gulag, Hiroshima und Nagasaki, Jugoslawien, Nahost – diese Liste von Verbrechen, Gewalttaten und Konflikten ließe sich leider ewig fortsetzen, sollte aber am Besten mit einem Friedensgebet gekürzt und beendet werden.
[Nachtrag: Warum der heutige Babycaust schlimmer ist als der historische Holocaust (karmelblume)]





11. September 2009 at 19:42
Danke für die Chronik, Mario! Den Beitrag von Ghislieri kannte ich noch gar nicht!
11. September 2009 at 19:54
Dankeschön für den Überblick!
Ich sehe ja, wie gesagt, die Gemeinsamkeiten, aber ich denke, es ist der Sache einfach nicht gedient, wenn man diesen Vergleich zieht oder auch nur die beiden Dinge nebeneinanderstellt. Man spielt lediglich denen in die Hände, die Abtreibung für “gut” befinden. Es schadet der Sache mehr, als es nützt. Die Diskussion über Abtreibung müsste in der Öffentlichkeit ganz anders geführt werden, finde ich. Aus diesem Grund bin ich eben gegen Nebeneinandersetzung der beiden Dinge, ganz pragmatisch gesehen.
11. September 2009 at 20:06
Kein Problem!
@ Elsa: Ich finde, in der Öffentlichkeit ist das Thema Abtreibung ein Tabu, wer redet schon offen darüber? Ausser Politikern (wie z.B. Obama), welche die Abtreibung als Menschenrecht durchsetzen wollen, hört man zu diesem Thema so gut wie nie etwas. Und als Bischof Mixa deutlich Stellung bezog, wurde er in den meisten Zeitungen durchgehend herb angeredet, ohne dass man auf seine Argumente eingegangen wäre.
Wenn offenes Ansprechen der Sachlage nicht erlaubt oder möglich ist, wie soll dann jemals ein halbwegs offen-sachlich-neutraler Dialog geführt werden?
11. September 2009 at 20:19
Gute Übersicht. Trotzdem beschreibst du genau die Sichtweise, von der ich mich seit Jahren distanziere. Und ich bin wirklich stolz auf mich, dass ich das jetzt so ruhig hierher schreiben konnte :)
11. September 2009 at 22:14
Nein, Holocaust und Abtreibung sind ganz einfach nicht vergleichbar!
http://works.bepress.com/jakob_cornides/24/
11. September 2009 at 22:41
@ Frank: Ich finde es toll, dass du meine Sichtweise verstehst, aber auch schade, dass du sie nicht teilst.
@ Erwin: Das Ablehnen eines Vergleichs aus Prinzip heraus ist mir unverständlich, denn genau DIESE Ablehnung verhindert einen offenen Meinungsaustausch und provoziert den Vergleich.
11. September 2009 at 22:52
@Olifant
Ich muss Erwin zustimmen. Der Vergleich ist für mich wirklich indiskutabel und ich kann auch die Beweggründe dazu nicht nachvollziehen. Zumal dieser Vergleich (zu Recht) nur Ablehnung schürt und nicht zu einem Nachdenken über das eigentliche Thema führt. Und genau darum sollte es doch eigentlich gehen.
12. September 2009 at 16:53
Wenn der Vergleich angeblich zu Recht nur zu einer ablehnenden Haltung führt, dass blockt man ein Nachdenken im Vorraus ab.
14. September 2009 at 13:20
Frank, Olifant
mein porsing war ironisch gemeint. Natürlich ist der Vergleich zulässig, aber wie der Brief von Dr. Cornides zeigt, ist die Abtreibung heute sicher das dringendere Problem.
Ich bin daher im Gegensatz zu Frank nicht der Meinung, dass man den Vergleich nicht ziehen darf, und verstehe daher auch seine Erregung nicht.
In einem Punkt hat er aber wahrscheinlich recht: der Vergleich bringt nichts. Wenn sich sogar Lebensschützer wie Frank darüber (zu Unrecht, wie mir scheint) erregen können, dann hat er für Abtreibungsbefürworter oder für Frauen, die vor einer Abtreibung stehen, schon gar keine Überzeugungskraft. Aber es ist eine Sache, den Vergleich aus taktischen Gesichtspunkten abzulehnen, und eine ganz andere, ihn für falsch oder unzulässig zu erklären (ohne dass hierfür jemals nachvollziehbare Argumente vorgebracht werden).
14. September 2009 at 18:03
Es ist schwer zu beurteilen, ob ein Vergleich etwas “bringt”; und noch schwieriger ob er etwas “Gutes” oder etwas “Schlechtes” bringt.
Aber wenn dieser Vergleich Menschen, die sich mit dem Thema Abtreibung nicht wirklich befasst haben und nur um ihre gesellschaftliche Akzeptanz wissen, zum ernsthaften Nachdenken bewegt, dann ist das für mich sehr erfreulich und ein gutes Zeichen.