Moralisch richtig Handeln
Sie stehen neben einem Bahngleis an einer Weiche. Außer Kontrolle geraten, rast ein Waggon heran. Auf der links abzweigenden Spur macht sich eine Gruppe von fünf Eisenbahnarbeitern zu schaffen, rechts ein einziger.
Unternehmen sie nichts, schwenkt der Waggon links ab und tötet die fünf Männer. Indem sie den Weichenhebel umlegen, können sie die Fünf retten und nur einen opfern.
Über folgendes Beispiel diskutierten wir heute in der Schule im Religionsunterricht. Zu Beginn fragten einige Schüler, ob man besagte Arbeiter kennt, wie alt sie sind und ob man sie nicht warnen könne. Zur Verdeutlichung dieses “Dilemmas” wurden diese drei Fragen von unserem Lehrer mit ‘Nein’ beantwortet, ebenso die Frage, was passiere, wenn man den Zug in der Mitte der Weiche entgleisen lassen würde (dann wären alle 6 Arbeiter tot …). Scheinbar wären für manche Schüler befreundete Arbeiter doch gleicher als Andere, und nicht alle Menschen gleich. Eine schwierige Entscheidung. Bei einer Abstimmung entstand ein Patt zwischen denjenigen, die eingreifen würden und denjenigen, die den Hebel umlegen würden.
In einem anderen Szenario können sie einen schweren Mann von einer Brücke auf die Gleise stoßen, um den Waggon aufzuhalten.
Bei dieser Situation meldete sich in unserer Klasse niemand, den Mann herabzustoßen; es wurde gefragt, ob man theoretisch auch selbst springen und den Zug aufhalten könnte, was der Lehrer jedoch mit einem Schmunzeln und der Aussage, dass wir zu leicht wären, verneinte.
Anschließend lasen wir ein SZ-Interview zu diesem Thema und der Frage, ob Moral vererbt werden würde. Der Interviewte Marc Hauser vertritt jedoch auch die Ansicht, dass man per Gen-Manipulation in das menschliche Erbgut eingreifen dürfe, um z.B. “Abscheu vor anderen Menschen” ‘herauszunehmen’ und den Menschen ‘besser’ zu machen. Hierüber war sich die Klasse zum Glück recht einig und reagierte mit Unverständnis und Ablehnung.
(Nach langwierigen Diskussion um utilitaristische Denkansätze in den letzten Wochen war das heute eine wirklich tolle Religionsstunde. Hoffentlich folgen noch viele interessante Stunden!)




