Papst Paul VI. zur ‘Entwicklung der Völker’
(…) Im Gefolge dieses Wandels der Daseinsbedingungen haben sich unversehens Vorstellungen in die menschliche Gesellschaft eingeschlichen, wonach der Profit der eigentliche Motor des wirtschaftlichen Fortschritts, der Wettbewerb das oberste Gesetz der Wirtschaft, das Eigentum an den Produktionsmitteln ein absolutes Recht, ohne Schranken, ohne entsprechende Verpflichtungen der Gesellschaft gegenüber darstellt. Dieser ungehemmte Liberalismus führte zu jener Diktatur, die Pius XI. mit Recht als die Ursache des finanzkapitalistischen Internationalismus oder des Imperialismus des internationalen Finanzkapitals26 brandmarkte. Man kann diesen Missbrauch nicht scharf genug verurteilen. Noch einmal sei feierlich daran erinnert, dass die Wirtschaft ausschließlich dem Menschen zu dienen hat.
Die Pflicht zur Solidarität unter den Menschen besteht auch für die Völker. (…) Der Überfluss der reichen Länder muss den ärmeren zustatten kommen. Die Regel, die einmal zugunsten der nächsten Angehörigen galt, muss heute auf die Gesamtheit der Weltnöte angewandt werden. Die Reichen haben davon den ersten Vorteil. Tun sie es nicht, so wird ihr hartnäckiger Geiz das Gericht Gottes und den Zorn der Armen erregen, und unabsehbar werden die Folgen sein. Würden sich die heute blühenden Kulturen in ihrem Egoismus verschanzen, so verübten sie einen Anschlag auf ihre höchsten Werte; den Willen, sich durch Leistungen anzureichern, opferten sie der Gier, mehr zu haben. Und es gälte von ihren das Wort vom Reichen, dessen Ländereien so guten Ertrag abwarfen, dass er ihn nicht unterzubringen wusste. “Gott aber sprach zu ihm: Du Tor, in dieser Nacht wird man dein Leben von dir fordern. (…)
Papst Paul VI., Enzyklika Populorum progressio, 1967




